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01.06.2017

Null Euros für Ärzte

Neue CORRECTIV-Datenbank veröffentlicht Liste von Mediziner/innen, die kein Geld von der Pharmaindustrie annehmen

Im Juni 2016 veröffentlichten die Pharmaunternehmen erstmals die Namen von Ärzten und Heilberuflern, die von ihnen Geld oder geldwerte Vorteile erhalten hatten. Demnach haben 71.000 Ärzte in Deutschland im vergangenen Jahr Zuwendungen von der Pharmaindustrie erhalten. Allerdings haben insgesamt nur 29 Prozent aller Ärzt/innen einer Veröffentlichung zugestimmt. Mehr als zwei Drittel aller Ärzt/innen sind in der Liste nicht aufgeführt. Das kann zweierlei bedeuten: Sie wollen die Honorare verschweigen. Oder sie haben kein Geld angenommen.

Das Recherche-Netzwerk CORRECTIV will jetzt für Transparenz sorgen und hat das Projekt „Null-Euro-Ärzte“ gestartet. In der „Euros für Ärzte“-Datenbank können sich künftig jene Mediziner/innen mit "0 Euro" eintragen, die im zurückliegenden Jahr kein Geld von der Pharmaindustrie für Vorträge und Fortbildungen angenommen haben. Dies soll helfen, dass Patientinnen und Patienten eine informierte Entscheidung bei der Auswahl ihres Arztes treffen können. Das Projekt wird von der Initiative kritischer Ärzte MEZIS (Mein Essen Zahl Ich Selbst) und dem Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte VDÄÄ unterstützt.

In den ersten zwei Tagen nach der Veröffentlichung der neuen Datenbank hatten sich am 31. Mai 2017 bereits mehr als 400 Null-Euro-Ärztinnen und Ärzte eingetragen, darunter so bekannte Mediziner wie Prof. Dr. Michael M. Kochen, Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) und Prof. Dr. Peter Schönhöfer, langjähriger Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am Uniklinikum Bremen-Mitte. 

Zahlungen von Pharmaunternehmen an Mediziner sind umstritten. Eine Vielzahl von Studien belegt, dass Ärzte, die Gelder von den Konzernen annehmen oder sich einladen lassen zu Kongressen und anderem, häufiger zum Rezeptblock greifen und zudem teurere Medikamente verordnen. Im Jahr 2015 haben Pharmakonzerne in Deutschland 575 Millionen Euro an Ärztinnen und Ärzte gezahlt. Das Geld floss für Vortragshonorare, Reisespesen, für Anwendungsbeobachtungen oder als Honorar für die Durchführung von Studien.

Quelle: Netzwerk Correctiv

Internet: https://correctiv.org