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30.08.2018

Geänderte Gesellschafterstruktur bei Unabhängiger Patientenberatung

Zeitungsbericht: UPD wurde an Pharmadienstleister "verhökert" | Kritik vom Paritätischen

Die Unabbhängige Patientenberatung (UPD) ist erneut in die Schlagzeilen geraten. Einem Bericht der Zeitung "junge Welt" zufolge steht die Anlaufstelle künftig unter Kontrolle des Pharmadienstleisters Careforce. In einer Presseerklärung dementiert dagegen der Betreiber, das Callcenter-Unternehmen Sanvartis, diese Darstellung und betont, dass sich lediglich die Gesellschafterstruktur der Sanvartis geändert und dies keinerlei Einfluss auf die "eigenständige Tochter" UPD habe. Der Paritätische Wohlfahrtsverband regierte auf die Medienberichte alamiert und forderte eine umgehende öffentliche Aufklärung.

Die "junge Welt" hatte berichtet, dass die Sanvartis und mit ihr die UPD in den zurückliegenden Wochen im Zuge eines "obskuren Verkaufsprozesses" in Careforce-Regie überführt worden seien. Careforce arbeite Arzneimittelherstellern als Personal- und Vertriebsdienstleister zu, damit diese ihre Produkte besser vermarktet bekommen. Hinter dem Unternehmen stehe der Private-Equity-Fonds Findos Investor, der mit dem Geld deutscher Mittelständler auf Renditejagd gehe. "Wie soll die UPD unter diesen Bedingungen neutral und unabhängig Patienten beraten – etwa in Fällen, in denen Opfer falscher Medikamentenverabreichung Hilfe suchen?", fragt die "Junge Welt".

Demgegenüber betont Sanvartis-Geschäftsführer Manuel Ebner, Sanvartis sei nicht von Careforce gekauft worden. Die mittelständischen Unternehmer Marko-René und Andrea Scholl aus Köln mit ihrem Unternehmen, der Careforce GmbH, seien nun zwar Miteigentümer der neuen Sanvartis Group GmbH. Die UPD bleibe jedoch eine eigenständige Gesellschaft in Form einer gemeinnützigen GmbH sowie personell und räumlich vollständig von der Sanvartis getrennt. Ein umfassendes Regelwerk für den Geschäftsführer regele im Sinne eines Verhaltenskodex den Umgang mit Dritten, die Einfluss auf seine Neutralität und Unabhängigkeit haben könnten.

Aus Sicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes erweist man mit den jüngsten Entwicklungen "den Patientinnen und Patienten einen Bärendienst". "Dieses Rundgeschiebe und Tricksen bei dubiosen Zahlungsströmen bei gleichzeitigen Mängeln in der Beratung zeigt: eine wirkliche Unabhängige Patientenberatung gehört nicht in die Hand der Gewinnwirtschaft, sondern unter die Regie der Zivilgesellschaft", so der Vorsitzende Prof. Dr. Rolf Rosenbrock. Die Unabhängigkeit der Beratung müsse inzwischen stark bezweifelt werden. Auch Eignung und Gemeinnützigkeit der Careforce GmbH, die ausschließlich Dienstleistungen für die Pharmaindustrie macht, seien fragwürdig. Notwendig sei deshalb eine parlamentarische Aufklärung, eine Kontrolle durch Aufsichtsorgane, Finanzamt und Bundesrechnungshof.

Der kostenlose Beratungsdienst UPD für hilfesuchende Patienten und Versicherte geschieht in gesetzlichem Auftrag, ist Teil der Regelversorgung und wird jährlich aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gefördert. Dem Bericht der "jungen Welt" zufolge ist der GKV-Spitzenverband über die Veränderungen "im Bilde". Die UPD befand sich von 2006 bis 2015 in Trägerschaft durch den Sozialverband VdK, die Verbraucherzentrale Bundesverband sowie den Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP). 2016 wurde sie nach europaweiter Ausschreibung an die Sanvartis GmbH übertragen. Der Wechsel der Trägerschaft war damals vom Beirat der UPD sowie von zahlreichen Patienten- und Selbsthilfevertreter/innen heftig kritisiert worden.

Unabhängige Beratung in der Krise. Ein Nachrichtenbeitrag im rbb-Fernsehen vom 04.09.2018

Quellen:
junge Welt, Artikel vom 29.08.2018
Sanvartis Group GmbH, Presseerklärung vom 29.08.2018
Paritätischer Wohlfahrtsverband, Pressemeldung vom 29.08.2018

Zur Internetseite der UPD: www.patientenberatung.de