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Junge Menschen und Selbsthilfe

Zwei junge Frauen im Gespräch

In der Öffentlichkeit überwiegt der Eindruck, Selbsthilfegruppen seien ausschließlich etwas für Ältere, für schwerkranke Menschen oder Menschen mit einem Suchtproblem. Dabei gibt es ein nennenswertes Engagement junger Menschen in der Selbsthilfe. Auf dem Portal für "Junge Selbsthilfe" www.schon-mal-an-selbsthilfegruppen-gedacht.de listen wir in einer bundesweiten Liste junger Selbsthilfegruppen Kontaktadressen. Allein dort sind mittlerweile mehr als 900 Selbsthilfegruppen zu finden – von der Gruppe Junge Erwachsene mit Depressionen in Freiburg über Deaf Ohr Alive in NRW (die "Junge Selbsthilfe" des Cochlea Implantat Verbandes NRW e.V.) bis zu den Absoluten Beginnern – Menschen ohne Beziehungserfahrung in Berlin.

Das Selbsthilfeengagement junger Menschen ist oft "bunter" als herkömmliches Selbsthilfeengagement – in Bezug auf Themen, auf Arbeitsformen und zum Teil auch in Bezug auf die gewählten Namen: So nennen junge Aktive ihr Zusammenkommen nicht immer Selbsthilfegruppe, sondern zum Beispiel Treffen, Stammtisch oder Community. Junge Aktive treffen sich in Cafés oder Parks, unternehmen gemeinsame Ausflüge, gehen klettern oder nähern sich ihrem Thema über gemeinsames Theaterspielen. Häufig kommunizieren sie stärker auch virtuell miteinander als ältere Menschen in der Selbsthilfe. Gleichwohl geht es auch hier um den Austausch, um das Zusammenkommen und das gemeinsame Tun mit Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Der Begriff "Junge Selbsthilfe" wird nicht eindeutig verwendet: Einmal bezieht er sich auf Menschen, die in der Selbsthilfe aktiv sind und jünger sind als das Gros der anderen in ihrer jeweiligen Selbsthilfegruppe oder -vereinigung, ein andermal auf explizit altershomogene Selbsthilfezusammenschlüsse jüngerer Menschen ("junge  Selbsthilfegruppen"). Manchmal meint "Junge Selbsthilfe", dass hier neue, andere Formen des gemeinsamen Austausches entstanden sind – in Abgrenzung zu anderen schon länger etablierten Strukturen ("jung" im Sinn von "modern" oder "innovativ").  Häufig bezeichnet "Junge Selbsthilfe" auch all die Angebote, die von der etablierten Selbsthilfe und von Mitarbeitenden in den Selbsthilfekontaktstellen für die Zielgruppe jüngerer Betroffener auf den Weg gebracht werden.

In der Arbeit der NAKOS hat "Junge Selbsthilfe" einen klaren Bezug auf das Alter. In unseren ersten Projekten nahmen wir vor allem junge Erwachsene zwischen 18 bis 29 Jahren in den Blick. Später fand eine Ausweitung auf "im Kern" 18- bis 35-jährige statt. "Im Kern" deshalb, weil wir (vereinzelt) auch mit unter 18-jährigen Aktiven zu tun haben und auf der anderen Seite einige der ersten jungen Aktiven mittlerweile älter als 35 Jahre sind. Wenn von "Junger Selbsthilfe" gesprochen wird, bezieht sich das auf alles, was junge Erwachsene im Bereich zwischen 18 und 35 Jahren in Selbsthilfegruppen, -vereinigungen, -arbeitskreisen und anderen (auch virtuellen) Selbsthilfezusammenschlüssen miteinander tun. Selbstverständlich handelt es sich dabei um keine homogene Gruppe. Familiäre, soziale, kulturelle oder regionale Umstände haben unterschiedliche Auswirkungen auf den Lebensweg junger Menschen, genauso wie Erkrankungen, Behinderungen oder Krisen.

 

Wir veröffentlichen regelmäßig in unserer Reihe NAKOS STUDIEN | Selbsthilfe im Überblick | Zahlen und Fakten zahlreiche Informationen zum Feld der gemeinschaftlichen Selbsthilfe in Deutschland. Im Rahmen der Befragung 2019 wurden auch Zahlen zur "Jungen Selbsthilfe" erhoben. Exakt die Hälfte der Selbsthilfekontaktstellen und -unterstützungsstellen, die spezifische Informationen und Beratung für bestimmte Zielgruppen anbieten, richten sich explizit an junge Menschen (50%, 56 von 112). 165 der Selbsthilfekontakt- und -unterstützungsstellen, bundesweit also gut die Hälfte der Einrichtungen (54%) benannten in ihrem Einzugsgebiet insgesamt 823 Gruppen. Das entspricht im Durchschnitt fünf "jungen Selbsthilfegruppen" pro Einrichtung.

Die meisten jungen Gruppen in den Selbsthilfekontaktstellen und -unterstützungsstellen befassen sich mit psychosozialen Themen (71%), rund die Hälfte mit chronischen Erkrankungen / Behinderungen (56 %), ein gutes Drittel mit Suchterkrankungen und -problemen (37%), 23 Prozent arbeiten themenübergreifend (Stammtische), 22 Prozent haben soziale Themen im Fokus.

Der Trend hin zu psychosozialen Themen in der "Jungen Selbsthilfe" wurde auch im Herbst 2021 auf der bundesweiten Fachtagung der Landesarbeitsgemeinschaften der Selbsthilfekontaktstellen und der landesweiten Selbsthilfekontakt- und -koordinierungsstellen deutlich. Demnach ist die gemeinschaftliche Selbsthilfe von Menschen mit gleichen Betroffenheiten in der Corona-Pandemie eine zentrale Ressource für die Lebensbewältigung. Anders als wegen der langen Kontaktbeschränkungen befürchtet, erleben die Selbsthilfestrukturen vor Ort aktuell deutlichen Zulauf. Laut den Fachberater*innen wenden sich immer mehr junge Menschen mit Ängsten und Depressionen an die Selbsthilfekontaktstellen. Sie werden in Gruppen vermittelt oder bei der Neugründung tatkräftig unterstützt.

In den bundesweit tätigen Selbsthilfevereinigungen (zu finden in den GRÜNEN ADRESSEN der NAKOS) ist die "Junge Selbsthilfe" ähnlich häufig vertreten wie in den regionalen Selbsthilfekontaktstellen und -unterstützungsstellen. Mehr als die Hälfte der Vereinigungen, die Angebote für bestimmte Zielgruppen macht, adressiert explizit junge Menschen (63%, 100 von 159). Nahezu die Hälfte der befragten Selbsthilfevereinigungen geben an, dass es in ihrer Arbeit hauptsächlich um junge Menschen geht (48%, 135 von 281).

Junge Selbsthilfe bei der NAKOS

Die NAKOS widmet sich dem Thema von mehreren Seiten: Wir klären junge Menschen über Selbsthilfe auf und unterstützen sie bei ihrem Weg in die Selbsthilfe. Wir brechen Klischees auf und verbessern das Image der Selbsthilfe in der öffentlichen Wahrnehmung. Wir unterstützen den Austausch und die Vernetzung junger Aktiver und wir sensibilisieren die „alten Hasen“ in der Selbsthilfe und der Selbsthilfeunterstützung, Routinen und Gewohnheiten zu überdenken.

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Ansätze vor Ort

Auch viele der regionalen Selbsthilfe­kontaktstellen befassen sich mit dem Thema "Junge Selbsthilfe". Sie unterstützen junge Menschen beim Finden und Gründen von Gruppen, sie entwickeln "junge" Informations­materialien, sie kooperieren mit (Hoch-)Schulen und stärken die Vernetzungs­aktivitäten von jungen Aktiven. Hier gibt es eine Übersicht über Kontakt­stellen, die sich mit "Junger Selbsthilfe" beschäftigen. Sie zeigt, wie vielfältig das Thema in der Praxis aussehen kann.

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Portal Junge Selbsthilfe

Das Internetportal für junge Selbsthilfe informiert junge Menschen über die Möglichkeiten gemeinschaftlicher Selbsthilfe. Es vermittelt zu jungen Selbsthilfegruppen und gibt Tipps zum Gründen von neuen Gruppen. Ein Quiz und ein Film regen zum Mitmachen an. Hier finden Sie Informationen zum Portal.

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Blog Junge Selbsthilfe

Unter dem Titel "Lebensmutig" bloggen zehn junge Autor*innen mit unterschiedlichen Themen wie Depressionen, Krebs oder Sucht über ihre Erfahrungen in Selbsthilfegruppen, ihre Herausforderungen im Leben und ihre ganz persönliche Sicht auf Themen wie Anderssein, Gemeinschaft, Inklusion und das Gesundheitssystem.

 

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Literaturhinweise

Literaturhinweise rund um das Thema "Junge Selbsthilfe"

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AKTIV-WERDEN

Ansprechpartner*innen für die Junge Selbsthilfe in den Bundesländern

INFORMIEREN

Materialserie "Junge Selbsthilfe"

Postkarten, Flyer, Faltblätter und Fachpublikationen auf einen Blick