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30 Jahre NAKOS

Publikum und Gäste bei der Fachtagung

NAKOS feierte Jubiläum mit Fachtagung

Mit einer Fachtagung hat die NAKOS am 22. September 2014 in Berlin ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Zu der Veranstaltung kamen rund 150 Gäste aus Politik und Gesellschaft. Unter dem Motto "Selbsthilfefähigkeiten stärken – Selbstorganisation unterstützen – Gemeinschaftliche Selbsthilfe ermöglichen" diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle Herausforderungen an die Selbsthilfe und die professionelle Selbsthilfeunterstützung.

Ausführlicher Bericht zur Jubiläumsveranstaltung

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Mit einer Fachtagung hat die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) am 22. September 2014 in Berlin ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Zu der Veranstaltung im Tagungszentrum Aquino kamen rund 150 Gäste aus Politik und Gesellschaft. Unter dem Motto „Selbsthilfefähigkeiten stärken – Selbstorganisation unterstützen – Gemeinschaftliche Selbsthilfe ermöglichen“ diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle Herausforderungen an die Selbsthilfe und die professionelle Selbsthilfeunterstützung.

An der Diskussion beteiligten sich unter anderem auch der Vorsitzende des Unterausschusses „Bürgerschaftliches Engagement“ des Deutschen Bundestages, Willi Brase (SPD), die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen, Maria Klein-Schmeink, Hubert Hüppe (CDU), Mitglied des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages und früherer Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Dr. Christoph Steegmans, Leiter der Unterabteilung „Engagementpolitik“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Niederbühl, zuständig für die Selbsthilfeförderung durch die Krankenkassen beim Verband der Ersatzkassen sowie die sowie die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner.

Das Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V. (DAG SHG), Helmut Breitkopf, würdigte die Arbeit der NAKOS als Netzwerkeinrichtung und Wissensbörse. In den vergangenen 30 Jahren habe die NAKOS maßgeblich dazu beigetragen, dass die Selbsthilfe in Deutschland „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen und eine „Erfolgsgeschichte“ sei, betonte er. Als Einrichtung der DAG SHG habe sie zudem erheblichen Anteil an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für örtliche Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen, Selbsthilfegruppen und -organisationen gehabt.

Als wichtige künftige Aufgaben der professionellen Selbsthilfeunterstützung nannte Breitkopf eine stärkere Einbeziehung von Menschen mit Migrationshintergrund sowie die Förderung von Gruppen, die nicht primär gesundheitsbezogene Themen verfolgen. Breitkopf forderte in diesem Zusammenhang, die Finanzierung der Selbsthilfe auf breitere Füße zu stellen. So wäre es unter anderem wünschenswert, dass sich auch die Private Krankenversicherung im Rahmen einer Selbstverpflichtung an der Förderung beteilige.

Auch Karin Niederbühl vom Verband der Ersatzkassen (VdEK) sprach sich für eine breite Diskussion über die Förderung gemeinschaftlicher Selbsthilfe aus. Neben den gesetzlichen Krankenkassen müssten auch „andere Fördermittelgeber verpflichtend einsteigen“. Der Vorsitzende des Unterausschusses „Bürgerschaftliches Engagement“ des Deutschen Bundestages, Willi Brase (SPD), unterstrich die Bedeutung der Selbsthilfe als Form des bürgerschaftlichen Engagements.

In der Politik werde die Selbsthilfe nur wenig wahrgenommen, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / die Grünen, Maria Klein-Schmeink. „Und wenn, dann wird sie entweder in den Dienst genommen oder es heißt, sie ist von der Pharmaindustrie gekauft.“ Das eigentliche Potenzial von gemeinschaftlicher Selbsthilfe als Problemlösungsstrategie und als Form der Beteiligung und Mitgestaltung „kommt in Berlin wenig an“. Daran müsse sich etwas ändern.

Die Selbsthilfe müsse ihr Engagement und ihre Leistungen für die Gesellschaft deutlicher sichtbar machen, erklärte der Leiter der Unterabteilung „Engagementpolitik“ im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Christoph Steegmans. „Sie muss uns vor Augen führen, dass Dinge, die wir für selbstverständlich halten, nicht selbstverständlich sind.“

Dr. Christopher Kofahl vom Institut für Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf stellte erste Ergebnisse aus der bundesweiten Studie „Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland – Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven“ (SHILD) vor. Als größte Herausforderung der Selbsthilfe nannte er dabei die Gewinnung und Aktivierung von Mitgliedern. Die Befragungen von Selbsthilfegruppen, -vereinigungen und den Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen habe zudem deutlich gemacht, dass viele Engagierte in der Selbsthilfe durch fehlende Unterstützung und finanzielle Mittel an die Grenze ihrer Kräfte geraten.

In einer Gesprächsrunde berichteten Engagierte aus Selbsthilfegruppen über ihren Weg in die Selbsthilfe und ihre Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen und der Selbsthilfeunterstützung. „Die Gruppen geben mir Struktur, die ich im Moment noch sehr brauche“, beschrieb ein weibliches Gruppenmitglied die positiven Wirkungen ihrer Gruppenteilnahme.

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde unter anderem noch einmal ausführlich die Frage der finanziellen Förderung von Selbsthilfe diskutiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass als die Förderung eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen sei. Betont wurde zudem die Notwendigkeit, die Rolle von Selbsthilfe als Teil des bürgerschaftlichen Engagements – insbesondere mit Blick auf die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft — stärker in den Blickwinkel zu nehmen.

Die NAKOS mit Sitz in Berlin ist eine Einrichtung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG). Die DAG SHG ist eine der vier maßgeblichen Spitzenorganisationen der Selbsthilfe und anerkannter Vertreterverband für die Wahrnehmung der Interessen der Patientinnen und Patienten und der Selbsthilfe chronisch kranker und behinderter Menschen. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die NAKOS themen- und organisationsübergreifend zur zentralen Ansprechpartnerin für die Belange von Selbsthilfegruppen, der Selbsthilfeunterstützung und der Selbsthilfeförderung in Deutschland entwickelt. Als bundeszentrale Netzwerkeinrichtung bringt sie die Akteure zusammen und vertritt grundsätzliche Belange der Selbsthilfe in Öffentlichkeit und Politik. Als Serviceeinrichtung bietet sie Bürgerinnen und Bürgern, Selbsthilfegruppen, Fachleuten und Medien vielfältige Informationen und Unterstützungsleistungen. Die Angebote sind unentgeltlich und stehen allen Interessierten offen.

In Deutschland engagieren sich rund 3,5 Millionen Menschen in 70.000 – 100.000 Selbsthilfegruppen. An 340 Orten in Deutschland gibt es zudem Unterstützungsangebote von Selbsthilfekontakt-, Beratungs- und Vernetzungsstellen. Ausgangspunkt des Engagements ist die gemeinsame Betroffenheit von einem gesundheitlichen oder sozialen Problem. Bei gut zwei Drittel der Selbsthilfegruppen stehen Erkrankungen oder Behinderungen im Fokus. Bei anderen Gruppen sind es soziale Fragen oder Probleme, zum Beispiel in den Bereichen Familie, Alter, Nachbarschaft, Migration oder im Kontext von Lebensführung und -krisen. Das Themenspektrum reicht von Allergie bis Zeckenbiss, Alleinerziehend bis Zwillingselternschaft, Arbeitslosigkeit bis Zölibat.

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Selbsthilfefähigkeiten stärken – Selbstorganisation unterstützen – Gemeinschaftliche Selbsthilfe ermöglichen
NAKOS 2014

Weitere Informationen

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Selbsthilfe braucht Unterstützung
Ergebnisse aus der Studie „Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland – Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven“ (SHILD)
Christopher Kohfahl | 2014

NAKOS feiert runden Geburtstag Bericht über die Fachtagung der NAKOS auf der Internetseite des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VfA) vom 2. Oktober 2014

Seit 30 Jahren für die Selbsthilfe
Artikel über das 30-jährige Bestehen der NAKOS in der Ärzte Zeitung vom 16. Oktober 2014