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Wie gründe ich eine Selbsthilfegruppe?

Gibt es in Ihrer Region noch keine Selbsthilfegruppe zu Ihrem Anliegen? Dann überlegen Sie sich doch einmal, ob Sie nicht selbst eine gründen möchten.

Besonders günstig ist es, wenn in Ihrer Nähe eine lokale / regionale Selbsthilfekontaktstelle besteht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Einrichtungen bieten praktische Hilfestellung bei der Gruppengründung und bei der Öffentlichkeitsarbeit an. Sie stellen Hilfsmittel für die Arbeit und Räume für die Treffen zur Verfügung oder vermitteln diese.

Wenn eine solche Selbsthilfekontaktstelle in Ihrer Nähe nicht besteht, können Sie durchaus auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Einrichtungen ansprechen. Viele Beratungsstellen, die Wohlfahrtsverbände, die Gesundheitsämter, die sozialen Dienste der Krankenkassen und auch Ärzte und Ärztinnen sind meist auch gern bereit, den Aufbau von Selbsthilfegruppen zu unterstützen und können bei der Suche nach weiteren Interessierten und nach einem Raum behilflich sein.

Hier finden sie Hinweise und Antworten auf Fragen, die häufig im Zusammenhang mit der Gründung einer Selbsthilfegruppe gestellt werden.

Nein. In Deutschland herrscht Versammlungsfreiheit. Sie können sich mit anderen Menschen treffen warum, wo und wie Sie wollen – sofern Sie nicht, und das sind die einzigen Ausnahmen, unser Grundgesetz oder unsere Demokratrie in Frage stellen wollen oder gefährden. Suchen Sie sich Gleichbetroffene und verabreden Sie wiederkehrende gemeinschaftliche Treffen, dann ist Ihre Selbsthilfegruppe existent.

Fragen zur Gründung und Aufrechterhaltung, zur Öffentlichkeitsarbeit, Gruppenraum oder Finanzierung beantworten Ihnen gerne die Selbsthilfekontaktstellen in Ihrem Ort oder Ihrer Region. Ihre nächstgelegene Selbsthilfekontaktstelle in Deutschland finden Sie hier. Hilfreiche Übersichtsinformationen finden Sie auch in unserer Publikation "Starthilfe zum Aufbau von Selbsthilfegruppen". Sie können die kostenlose Broschüre bei uns bestellen.

Ist die Selbsthilfegruppe ein Zusammenschluss von einzelnen Privatpersonen und nicht als Verein organisiert, so bildet sie im juristischen Sinne eine "Gesellschaft des bürgerlichen Rechts" (GbR). Das Miteinander, Haftung, Verantwortung, Pflichten sind in unserem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt (§§ 705 ff.), weswegen eine solche Gesellschaft auch als "BGB-Gesellschaft" bezeichnet wird.

Wer sich näher informieren möchte, dem empfehlen wir die Publikation Recht für Selbsthilfegruppen, herausgegeben vom Selbsthilfezentrum München, ISBN 978-3-940 865-02-1. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ein Kennzeichen der gemeinschaftlichen Selbsthilfe in Gruppen ist, dass die Teilnahme an den Gruppentreffen kostenlos ist. Gelegentlich wird zur Finanzierung von Kaffee/Tee und Kekse anlässlich des Gruppentreffens eine freiwillige Kaffeekasse aufgestellt. Ist die Selbsthilfegruppe eingebettet in einen Verein oder Dachverband, können Mitgliedsbeiträge anfallen. Erkundigen Sie sich bei der Gruppe, wie sich diese finanziert.

Selbsthilfegruppen bestimmen ihre Arbeitsweise und Ziele selbst. Dafür brauchen viele Selbsthilfegruppen eigentlich gar kein oder kaum Geld. Andere wiederum brauchen für ihre Gruppenarbeit Zuschüsse, zum Beispiel für die Mietkosten des Gruppenraums, für Telefon-, Porto- oder Kopierkosten.

Falls für die Gruppenarbeit Geld benötigt wird, kann die Gruppe auch finanzielle Zuschüsse beantragen zum Beispiel bei den öffentlichen Verwaltungen (Sozial- oder Gesundheitsamt), bei Geschäftstellen von Wohlfahrtsverbänden (Arbeiterwohlfahrt, Paritätischer Wohlfahrtsverband), Kirchengemeinden, Stiftungen und den gesetzlichen Krankenkassen und Pflegekassen.

Es empfiehlt sich unbedingt nachzufregen, welche Voraussetzungen eine Gruppe erfüllen muss und an welche Bedingungen ein Förderantrag geknüpft ist.

Einer dauerhaften wirtschaftlichen Betätigung darf eine Selbsthilfegruppe nicht nachgehen. Ebenso ist eine berufliche Betätigung als „Leitung“ einer Selbsthilfegruppe ausgeschlossen. Unbeschadet dessen sind aber Einnahmen für die Gruppe durch so genannte Fundraisingaktivitäten wie zum Beispiel Basare, Flohmarkt oder Kuchenverkauf an Selbsthilfetagen.

Bitte beachten Sie aber hierzu die steuerlichen Vorschriften. Wer Einnahmen erzielt, muss diese zwingend steuerlich erklären. Weitere Informationen finden Sie in unserer Publikation „Transparenz und Unabhängigkeit der Selbsthilfe“, Seite 50 ff., diese können Sie kostenlos bei der NAKOS bestellen.

Zur Führung einer Kaffeekasse sicherlich nicht. Auch wenn Ausgaben für Telefon oder Porto sich im kleinen überschaubaren Rahmen bewegen, wird sich das mit einer Barkasse regeln lassen. Dann ist es gut, wenn die Gruppe für sich klärt, wie das Führen der Barkasse geregelt werden soll. Wer soll für die Kasse verantwortlich sein? Was soll daraus bezahlt werden? Wie wird Transparenz über Einnahmen und Ausgaben hergestellt? Es ist gut, diese Regelungen auch schriftlich zu verfassen. Dann finden sich auch Neue schnell zurecht.

Möchte die Selbsthilfegruppe Fördergelder der Krankenkassen erhalten, benötigt die Gruppe auch ein Bankkonto. Ist die Gruppe bereits als Verein organisiert, kann sie problemlos bei jeder Bank oder Sparkasse ein eigenes Konto führen. Manche Kreditinstitute bieten den Selbsthilfegruppen kostengünstige Sonderkonditionen für das Bankkonto an. Fragen Sie danach.
Sofern die Gruppe kein Verein ist, kann die Eröffnung eines Bankkontos mit Schwierigkeiten verbunden sein. Eine Selbsthilfegruppe ist ja keine eigenständige Rechtspersönlichkeit, sie kann also als Gruppe nicht ohne Weiteres Verträge abschließen. Es sei denn sie hat einen „Gesellschaftsvertrag“, in dem Zweck, Verantwortlichkeit und Haftung geregelt sind.

Nähere Informationen zum Thema Bankkonto für Selbsthilfegruppen finden Sie hier. Lassen Sie sich hierzu unbedingt auch von Ihrer Selbsthilfekontaktstelle beraten.

Als natürliche Person werden die Privatpersonen, die Bürgerinnen und Bürger eines Landes bezeichnet. Sie sind als Menschen aus ‚Fleisch und Blut‘ rechtsfähig. Juristische Personen sind Institutionen, Unternehmungen, Einrichtungen, usw. Je nach vertraglicher Gestaltung des gemeinsamen Zusammenschlusses können diese in unterschiedlichen Rechtsformen organisiert sein, zum Beispiel eingetragener Verein, GmbH, OHG, KG, AG. Solche Organisationen haben eine eigene Rechtsfähigkeit. Beispiel: Ein Verein wird Vertragspartner in einem Mietvertrag für die Anmietung von Gruppenräumen. Frau Mayer unterschreibt den Mietvertrag dann nicht als Privatperson, sondern als Vertreterin einer „juristischen Person“.

Wer sich näher informieren möchte, dem empfehlen wir die Publikation Recht für Selbsthilfegruppen, herausgegeben vom Selbsthilfezentrum München, ISBN 978-3-940 865-02-1. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Es gehört in die gemeinschaftliche Entscheidungsfreiheit der Gruppenmitglieder, ob sich die Gruppe in ihren Strukturen und Regeln eines Vereins organisieren möchte. Wächst eine Gruppe zu vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern heran und entwickelt sich eine arbeitsteilige Organisation, die die anfallenden Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt, stellen sich auch Fragen zur Vertretungsbefugnis, Pflichten und Haftung. Die Rechtsform als Verein bietet die Möglichkeit, sich auch in größerer Gemeinschaft zu strukturieren und rechtssicher Verbindlichkeiten zu regeln.

Für weitere Informationen empfehlen wir die Publikation Recht für Selbsthilfegruppen, herausgegeben vom Selbsthilfezentrum München, ISBN 978-3-940 865-02-1. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Sie benötigen auf alle Fälle einen Vereinszweck, insgesamt 7 Mitstreiterinnen und Mitstreiter, eine Satzung und eine Gründungsversammlung. Wollen Sie den Verein im Vereinsregister eintragen lassen, benötigen Sie in manchen Bundesländern zusätzlich einen Notar für die Beurkundung. Der Buchhandel oder die Bibliotheken halten eine Fülle von Ratgebern zur Vereinsgründung oder zur Führung von Vereinen meist für wenig Geld bereit. Sie sind in der Regel alle brauchbar. Achten Sie aber unbedingt auf ein neueres Erscheinungsdatum, denn es hat in den letzten Jahren eine Reihe von gesetzlichen Änderungen gegeben. Wir raten daher auch dringend davon ab, im Internet eingestellte Satzungen als Mustervorlage zu verwenden. Was vor 10 Jahren von den Vereinsregistern eingetragen worden ist, wird heute oft nicht mehr genehmigt.

Ausführliche Informationen finden Sie auch beim Bundesministerium für Justiz oder bei der Stiftung Mitarbeit auf der Homepage www.buergergesellschaft.de.

Fragen Sie bei Ihrem Finanzamt nach. Viele der für Vereine zuständigen regionalen Finanzämter geben inzwischen Mustersatzungen heraus. Oft sind diese auch online verfügbar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Finanzämter helfen Ihnen auch gerne vor Ihrer Vereinsgründung zu Fragen der Gemeinnützigkeit weiter.

Auf www.selbsthilfe-interaktiv.de bieten wir Ihnen ein Forum, in dem Sie sich mit Selbsthilfe-Erfahrenen und mit Experten aus Selbsthilfekontaktstellen online austauschen und Ihre Fragen stellen können.

Telefonisch erreichen Sie das Servicetelefon der NAKOS unter 030 / 31 01 89 60 zu folgenden Sprechzeiten: Di, Mi und Fr 10 bis 14 Uhr, Do 14 bis 17 Uhr.
Oder schreiben Sie uns Ihr Anliegen per E-Mail an selbsthilfe@nakos.de

Illustration

Mut zum Tun - Schnelle Gründungshilfe für Selbsthilfegruppen
NAKOS 2007

Starthilfe zum Aufbau von Selbsthilfegruppen

Titelbild der Publikation

Ein Leitfaden.
9. neu bearbeitete Ausgabe
NAKOS 2014